Theorie

Umrüsten auf Autogas

Spritkosten sparen mit dem zweiten Tank

Autogas, ein Gemisch aus Propan und Butan, ist sehr energiereich, verbrennt nahezu rückstandsfrei und verursacht kaum Emissionen. Nicht zuletzt deshalb haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages erst kürzlich entschieden, auch Autogas mit einem reduzierten Mineralölsteuersatz zu besteuern. Bei einem Literpreis von rund 65 Cent kostet der alternative Kraftstoff gerade mal halb so viel wie normaler Sprit. Selbst unter Berücksichtigung eines etwas höheren Autogasverbrauches ergeben sich da riesige Einsparpotentiale.

Für eine Umrüstung muss zwar mit Kosten von 2.000 bis 3.500 Euro gerechnet werden (abhängig von Zylinderzahl). Doch sind diese Kosten in der Regel schon nach wenigen 10.000 km wieder eingefahren. Ein höherer Wiederverkaufswert schlägt zudem positiv zu Buche.

Autogas sorgt aufgrund der hohen Oktanzahl von 110 für eine angenehme Laufruhe, schont den Motor und verlängert dessen Lebensdauer. In Sachen Fahrkomfort, Fahrleistung und Reichweitennachteile sind keine Abstriche hinzunehmen.

Ja mehr noch: Durch einen zusätzlichen Flüssiggastank kann die Reichweite – je nach Verbrauch – auf bis zu 1.000 km ausgeweitet werden. Eine innovative Technik erlaubt zudem den Tankeinbau in der Mulde des Reserverades. Das gesamte Kofferraumvolumen kann so uneingeschränkt genutzt werden. Der Benzintank bleibt beim Umbau im Übrigen erhalten. Das Fahrzeug kann also wahlweise mit Benzin oder Flüssiggas betrieben werden. Man spricht hier von einem bivalenten Antrieb. Nahezu jedes Fahrzeug mit Ottomotor lässt sich mit einer Autogasanlage nachrüsten. Ausgenommen sind (derzeit noch) Motoren mit Benzin-Direkteinspritzung.

Neben den wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen sprechen auch die Sicherheit und die Zuverlässigkeit für diese ausgereifte Antriebstechnik.

Allein im europäischen Raum fahren heute bereist über 5 Mio. flüssiggasgetriebene Fahrzeuge. In Deutschland sind es bereits mehr als 100.000 Fahrzeuge. Tendenz steigend, was nicht zuletzt auch an einem rasant wachsende Tankstellennetz liegt, das aktuell die Zahl von 2.000 Stationen überschritten hat. Zudem haben die Versorgungsunternehmen die Flüssiggasbranche im gerade abgelaufenen Jahr mehr als 40 Mio. Euro in einen weiteren Netzausbau und in eine verbesserte Vertriebsstruktur investiert. Auch die technischen Aspekte des Flüssiggasbetriebes für Kraftfahrzeuge werden kontinuierlich verbessert.

Autogasanlagen und die dafür notwendigen Tankstelleneinrichtungen sind heute mit höchsten technischen Standards ausgestattet und entsprechen dem Komfort von Benzin- und Dieselfahrzeugen.

Der kleine Unterschied

Autogas und Erdgas sind zwei unterschiedliche Sorten

Gas

Schon vor 150 Jahren, lange vor dem Benzinmotor, entwickelte Nikolaus August Otto einen Verbrennungsmotor mit Gasantrieb. Dennoch dauerte es noch eine ganze Weile, bis die Effektivität der Motoren verbessert wurde. Heute unterscheiden wir zwischen Auto- und Erdgasantrieb.

Autogas / Flüssiggas

Autogas – auch Flüssiggas oder LPG (Liquefied Petroleum Gas) genannt – ist ein Propan/Butan-Gmisch, das bei der Erdöl – und Erdgasförderung als Nebenprodukt anfällt. Bei Raumtemperatur und unter Normaldruck sind die Kohlenwasserstoffe des Propan/Butan-Gemisches gasförmig. Unter geringem Druck lassen sie sich jedoch verflüssigen. Deshalb der Name Flüssiggas.

Da Autogas im flüssigen Zustand nur einen Bruchteil seines Gasvolumens beansprucht (1/260) lässt es sich in großen Mengen in relativ kleinen Druckbehältern lagern.

Der Einsatz in herkömmlichen Otto-Motoren ist nach einem unkomplizierten Umbau möglich.

Autogas – und Benzinantrieb lassen sich überdies kombinieren, sodass sowohl Autogas als auch Benzin genutzt werden können (so genannter bivalenter Antrieb). Im Armaturenbrett wird hierzu lediglich ein Schalter eingebaut, mit dem – auch während der Fahrt – zwischen Benzin- und Gasantrieb umgeschaltet werden kann. Da die Qualitätsanforderungen an das Autogas europaweit einheitlich geregelt sind, können mit Autogas betriebene Fahrzeuge problemlos europaweit eingesetzt werden. Auch die Abgaswerte können überzeugen: Mit Autogas betriebene Fahrzeuge punkten mit den niedrigsten Schadstoffwerten, die mit Verbrennungsmotoren zur Zeit möglich sind! Autogas ist nahezu schwefelfrei. Schadstoffe wie CO, HC, NOx treten wesentlich vermindert auf. Und auch bei der einer Verbrennung ansonsten anfallende Ruß ist kaum vorhanden.

Erdgas

Erdgas besteht dagegen weitestgehend aus Methan, das selbst auch unter höchstem Druck (ca. 200 bar) nur komprimiert vorliegt. Erst ab -160° C und mindestens 2 bar Druck verflüssigt sich CNG und LNG. Gefördert wird es zum Beispiel auf den zahlreichen Plattformen in der Nordsee. Abgasbestandteile wie Ruß, Schwefel und Benzol entfallen. Zudem gibt es wenig Belastungen durch Ozon und Kohlendioxyd.

Allerdings machen die höheren Drücke auch wesentlich stabilere Tanks erforderlich. Diese können entweder als Kofferraum fressende Zylindertanks oder als Unterflurtanks bei Neufahrzeugen ausgeführt sein. Platz sparende Radmuldentanks wie bei Autogasfahrzeugen sind nicht möglich. Ein wesentlicher Nachteil der Erdgastechnologie.

Zudem sind konstruktionsbedingt wesentlich höhere Umbaukosten zu erwarten:

Sind für eine Nachrüstung auf Autogas (Flüssiggas) noch moderate Kosten in der Größenordnung von ca. 2.000 bis 3.500 Euro einzuplanen, so muss man für eine Umrüstung auf Erdgas schon mit einem Aufpreis ab 4.500 Euro rechnen.

Erdgasmodelle werden überdies in der Regel aus verschiedenen Gründen direkt vom Hersteller aufgerüstet. Nicht zuletzt auch aufgrund der hohen Kosten empfehlen viele Experten, Neuwagen direkt als Erdgasfahrzeug zu verkaufen, von einer Nachrüstung bereist bestehender Fahrzeuge aber abzusehen.

Grundsätzlich aber gilt:

Wer Geld sparen möchte, kommt am Flüssiggasantrieb nicht vorbei!

Die Ökonomie von Autogasanlagen

Finanzielle Aspekte

Die Aufrüstung für ein 4-Zylinder-Fahrzeug kostet ca. 2.000 Euro, für einen 6-Zylinder-Motor ab ca. 2.500 Euro. Die Preise für Autogas liegen in Deutschland zwischen 0,45 und 0,75 Euro je Liter (aktueller Stand 1/2007). Bei einem Preisvergleich muss allerdings noch berücksichtigt werden, dass der Literverbrauch bei Flüssiggasbetrieb um etwa 20 % steigt, da Flüssiggas im Vergleich zum Benzin eine erheblich geringere Dichte und somit einen geringeren Brennwert je Liter hat. Trotzdem kann beim Vergleich der Kraftstoffkosten zwischen Benzin/Super und Flüssiggas grob von einer Halbierung der Kraftstoffkosten ausgegangen werden. Übrigens Sie können die Umrüstkosten auch finanzieren. Aus diesem Grund, so der Beschluss des Deutschen Bundestages, unterliegt Autogas auch weiterhin zunächst bis zum Jahr 2018 einem reduzierten Mineralölsteuersatz.

Rußpartikelfilter und Fahrverbote für Innenstadtbereiche spielen bei Autogas keine Rolle.

Die Ökologie von Autogasanlagen

Eine saubere Sache für unsere Umwelt und Zukunft

Der ständig steigende Kraftfahrzeugverkehr und die damit verbundenen steigenden Lärm- und Schadstoffemissionen sind wesentliche Ursachen der Luftverunreinigung. Besonders in Ballungsgebieten führen Abgase zu gravierenden Beeinträchtigungen von Mensch und Umwelt.

Nicht umsonst versucht der Gesetzgeber mit immer schärferen Abgasnormen und der Ökosteuer, die Entwicklung umweltgerechter Technologien voranzutreiben. Autogas ist hier eine echte Alternative. Es fällt als Nebenprodukt bei der Rohölgewinnung an und weist eine sehr positive Umweltbilanz auf. Autogas wird in einheitlicher, europaweit genormter Qualität nach DIN EN 589 angeboten. Es ist frei von Additiven, verbrennt nahezu rückstandsfrei und verursacht kaum Emissionen. Die Emissionen von Fahrzeugen mit Autogas unterschreiten schon heute die verschärften Abgasnormen nach Euro III um ein vielfaches. Da bei der Verbrennung wenig Kohlendioxid und kaum Partikel oder Stickoxide entstehen, ist es wesentlich umweltverträglicher.